Wirtschaftswoche | Schweizer Schützenhilfe

Alexander Segert, Chefwerber für Schweizer Populisten, will nun auch die AfD aufrüsten. Seine Waffe: ziemlich grenzwertige Wurfsendungen.

Wirtschaftswoche 17/21.4.2017 | Thomas Schmelzer

Er ließ weiße Schafe zeichnen, die ein schwarzes von der Schweizer Flagge kicken. Oder Minarette, die wie Marschflugkörper auf ihren Abschuss warten. An einem Frühlingstag Mitte April sitzt der Mann, der sich solche Bilder ausgedacht hat, in seinem Zürcher Arbeitszimmer und brütet über neuen Botschaften. Sie richten sich aber nicht mehr an die Schweiz.

Auch die Bundesrepublik, glaubt Alexander Segert, könnte seine Ideen gebrauchen. Seit Jahren arbeitet der 54-jährige Hamburger mit seiner Schweizer Werbeagentur für Verbände, Unternehmen und rechte Parteien: Die SVP in der Schweiz verließ sich ebenso auf seine Dienste wie die österreichische FPÖ. Überall auf der Welt kopieren Rechte seine Motive. Mit deutschen Journalisten redet Segert höchst selten, doch nun hat er nach Zürich geladen. Nur der genaue Ort des Treffens soll geheim bleiben. Segert hat Angst vor Anschlägen, seit vor ein paar Jahren sein Wagen in Flammen aufging. Warum er dennoch redet? Er will Werbung in eigener Sache machen.

Es brodele in Deutschland, beginnt Segert. Zehntausende hätten ihre politische Heimat verloren, große Umwälzungen stünden an. Die AfD könne locker 20 bis 25 Prozent der Stimmen holen. „Aber dafür muss die Partei ihre Kleinkinderstreitereien beenden. Die Kommunikation der AfD ist unprofessionell, das Auftreten nach außen ist unprofessionell, das Politmarketing ist unprofessionell.“ Dazu passt, dass Parteichefin Frauke Petry gerade erst entnervt eine Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl abgesagt hat. Trotzdem sagt der PR-Berater: „Mich in diesen Zeiten für eine neue Partei zu engagieren, die gegen alle anderen steht und noch etwas bewegen will, würde mich faszinieren.“
Sätze wie aus einem Bewerbungsgespräch.

Seit einem halben Jahr taucht Segerts Name im AfD-Umfeld auf. Im Herbst mischte seine Agentur Goal AG in Berlin bei der Organisation einer Bootstour für den Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und bürgerlichen Freiheiten mit. Der Verein aus Stuttgart steht schon länger im Verdacht, nur einem Zweck zu dienen: Spenden an die AfD zu verschleiern. Zwar bestreiten Verein und Partei jegliche Verbindung, doch die unablässige und kostspielige Werbung der Organisation für die AfD ist auffällig.
Schon vor dem Schipper-Event hatte Segerts Agentur für die Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin Werbeflächen angemietet, auf denen dann Plakate mit AfD-Wahlempfehlungen klebten. Mutmaßlicher Geldgeber im Hintergrund: der ominöse Stuttgarter Verein. Im November schulte Segert persönlich AfD-Leute in Rhetorik. Organisiert hatte das Seminar Josef Konrad, der ehemalige Vize-Schatzmeister der AfD in Oberfranken.

Segert gibt die Einsätze für den Stuttgarter AfD-Unterstützerverein zu. „Ja, wir waren da involviert“, sagt er über die Bootstour und die Plakatanmietung. Beim Rhetoriktraining sei er kurzfristig als Ersatz für einen Trainer eingesprungen. Fragt man ihn nach künf – tigen Aufträgen im AfD-Umfeld, antwortet er: „Das könnte ich mir vorstellen.“ Womöglich geht es bald los. „Die Goal AG hat unsere Aktionen und Kampagnen als Dienstleister punktuell unterstützt“, bestätigt David Bendels, der den Rechtsstaatsverein derzeit leitet. „Möglicherweise“ werde man Segerts Dienstleistungen buchen.

Bereits ab dem 24. April will sein Verein in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein „Extrablätter“ verteilen. Schon 2016 hatte der Verein solche Wurfsendungen zu Landtagswahlen verteilen lassen – und darin für die AfD geworben. Allein zur NRWWahl sollen 2,6 Millionen Stück in den Briefkästen landen. Am „Extrablatt“ soll Segerts Agentur beteiligt gewesen sein.

Die AfD ließ Anfragen zur Personalie Segert unbeantwortet. Er bestreitet einen Kontakt zur Partei. Trotzdem hat er keinen Zweifel, zu wissen, was der deutschen Rechten fehlt: „Ohne Zuspitzung geht es nicht. Das Minarett- Plakat würde grundsätzlich auch in Deutschland funktionieren.“

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