Generation Ego – Die Werte der Jugend im 21. Jahrhundert

GoldGeneration Ego – Die Werte der Jugend im 21. Jahrhundert
Bernhard Heinzlmaier und Philipp Ikrath
Promedia, 2013, 206 Seiten

Die beiden Autoren gehen den Fragen nach, inwiefern heutige Gemeinschaften sich auflösen und welchen Einfluss die kapitalistischen Zustände auf die Lebensbereiche der Jugend haben. Das Buch „Generation Ego“ widmet sich den Werthaltungen und den Strategien, die junge Menschen anwenden, um das prekäre Gleichgewicht zwischen individueller Selbstverwirklichung und dem Wunsch nach Sicherheit in einem Klima allgemeiner gesellschaftlicher Verunsicherung zu bewahren. Doch es handelt sich nicht nur um ein Plädoyer für die Generation Ego, sondern in erster Linie um eine Kritik an der Gesellschaft im Gesamten.

Mit empirischen Daten, Beispielen und theoretischen Ansätzen (von Foucault über Marx bis hin zu Saussure) bereichern die beiden Trend- und Jugendkulturforscher ihren Ansatz.

Highlights

„Den Menschen der Gegenwart ist der Pessimismus von höchster Stelle, vom Zeitgeist, der Motivationspsychologie, der Zukunftsforschung und der Politik quasi verboten. Sie haben zukunftsfroh und optimistisch zu sein. Nicht nur die Jugend, die ganze Gesellschaft unterliegt nahezu einer Pflicht zum Optimismus. Wer ihn nicht tagtäglich zeigt, hat mit gesellschaftlichen und beruflichen Nachteilen zu rechnen, wenn ihm nicht mit Psychotherapie, Psychopharmaka oder gar der Psychiatrie gedroht wird.“ (S. 24)

„[Die Jugendlichen] fühlen, dass in einer Marktgesellschaft das Prinzip ‚Jeder kämpft für sich alleine’ das Erfolgskonzept ausmacht (…). Sie wissen, dass sie sich von den meisten, in den täglichen Wettbewerb um Karrierevorteile eingespannten Mitmenschen keine Hilfe und Unterstützung erwarten können. Dementsprechend ist es die Familie (…), auf die sie ihre ganze Hoffnung auf Verständnis, Solidarität und Aufgehobensein richten.“ (S. 43)

„Ein Grund für die Entfremdung der Jugend gegenüber Staat und Politik könnte die zunehmende Neigung der Politik zu Über- und Eingriffen in die kleinen Lebenswelten, die persönliche Lebenssphäre der jungen Menschen sein. (…) Man bekommt vorgeschrieben, was man essen, wie viel man trinken, ob man rauchen oder nichtrauchen soll.“ (S. 97)

Fazit

Junge Menschen leben nicht in einem Wertevakuum. Es existiert auch kein Werteverfall der Jugend, wie manche Ältere immer wieder behaupten und wohl auch weiterhin behaupten werden. Junge Menschen haben neue – andere – Werte angenommen. Entscheidend ist nicht der Werteverfall, sondern der Wertewandel, der in unserer Gesellschaft stattfindet. Doch eines besteht fort: Der Wunsch nach Stabilität, vor allem in der Familie.

Wer mehr über die Werte der „Generation Ego“ erfahren möchte, ist mit diesem Buch richtig.

Bewertung

Wir verleihen drei von fünf GOAL-Daumen und sagen „teilweise etwas langatmig und sehr theorielastig, aber lassen Sie sich davon nicht abschrecken“.

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