Kampfrhetorik

Schön, wenn man im Gespräch mit Konkurrenten oder Medien seine Argumente in aller Ausführlichkeit darlegen kann. Doch immer wieder gibt es Situationen, in denen man sich gegen heftigste und persönliche Angriffe wehren oder selber seinen Konkurrenten „in den Senkel stellen“ muss. Wir erklären, wie…

Die Szenerie ist bekannt: Zwei Kandidaten oder Parteienvertreter bekämpfen sich mit Angriffen, Unterstellungen und Diffamierungen verbal auf das Heftigste. In dieser Form der Auseinandersetzung, meist in der heissen Phase eines Wahl- und Abstimmungskampfes, geht es nicht mehr darum, potenzielle Wähler mit den besten Argumenten von der Wahl seiner Person zu überzeugen. Sondern in dieser Phase geht es darum, das mediale Schlachtfeld als Sieger zu verlassen. Die Mittel dazu: Den Gegner in die argumentative Sackgasse treiben, ihn aufs Glatteis führen, seine Schwächen und Unzulänglichkeiten aufzeigen und ihn bzw. seine Position so für jedermann sicht- und hörbar als nicht wählbar darzustellen.

Umgekehrt kommt es aber auch darauf an, solche Angriffe seines Gegners zu parieren und für seine eigene Argumentation zu benutzen.

Mit anderen Worten: Wir befinden uns in der hohen Schule der „Kampfrhetorik“. Die Beherrschung dieser Kunst ist sowohl für Politikerinnen und Politiker als auch für Unternehmensführer, Verbands- und Behördenvertreter wichtig. Denn sie alle können mehr oder weniger plötzlich und ungewollt in ein „Kampfszenario“ geraten. Vorbereitung ist die einzige Möglichkeit, dieses Szenario ohne grössere Schäden wieder zu verlassen.

In der Schweiz entstehen solche Situationen weniger in der direkten Konfrontation zweier Spitzenkandidaten, sondern mehr in Situationen mit Medienvertretern (Arena, Sonntalk, Schawinski, …).

Ziel der Kampfrhetorik ist nicht die argumentative Überzeugung seines Gegenübers oder des Publikums. Denn Konsenssuche ist fehl am Platz. Ziel ist es, den Gegner unter Druck zu setzen, ihn zu Fehlern oder Fettnäpfchen zu verleiten oder ihn die Nerven verlieren zu lassen, damit er in eine unterlegene Position gerät. In diesem Sinne darf „Kampfrhetorik“ auch nur gezielt, am richtigen Ort und zur richtigen Zeit verwendet werden: Entweder, wenn ein Kontrahent diese Art der Auseinandersetzung aufzwingt,  wenn ein mediales Sendegefäss so ausgelegt ist oder wenn die eigene Situation derart ist, dass man nur mit Angriffen – auch unzimperlicher Art – sein Ziel erreichen kann.

Mittel der „Kampfrhetorik“

Als einige der häufigsten Mittel der „Kampfrhetorik“ seien folgende erwähnt:

Behauptungen: Der Hinweis auf Studien, Forschungsergebnisse etc. ist ein probates Mittel, um seine eigene Position zu stärken und den Gegner in Argumentationsnot zu bringen, sofern er keine „eigenen“ Studien ins Feld führen kann.

Gerüchte: Ein Mittel der „Kampfrhetorik“ ist das Verbreiten von Gerüchten: „Ich habe gehört, dass ….“ führt dazu, dass sich der Gegner, erstens damit beschäftigen muss, unangenehme Anschschuldigungen auszuräumen, zweitens man selber nicht der direkte Urheber der Anschuldigungen ist (man hat es ja nur „gehört“ und will es nun im direkten Gespräch überprüfen) und drittens der Zuhörer, auch bei der besten Entkräftung, immer das Gefühl behält, es könnte doch etwas am Gerücht dran sein (Motto: „Wo viel Rauch ist, ist auch Feuer“).

Pauschal-Urteile: Mit Aussagen wie „noch nie“, „immer“ „schon wieder“ wird der Kontrahent mit einem Pauschal-Urteil belegt, das beim Zuhörer ein bewusst angestrebtes Negativ-Bild hervorruft: „Sie hören schon wieder nicht zu!“. Diese Aussage erzeugt beim Zuhörer das Bild des „Nicht-Zuhörers“.

Wie reagieren?

Und wie reagiert man am besten auf „Kampfrhetorik“? Die 4-I-Methode von Albert Thiele „Ignorieren – Ironisieren – Identifizieren – Isolieren“ ist ein griffiges Instrumentarium, um selbst bei heftigsten Angriffen unter der Gürtellinie die Oberhand zu behalten:

Ignorieren: In dieser ersten Abwehrstufe wird versucht, den Kontrahenten mit seinen Angriffen ins Leere laufen zu lassen, indem man bewusst immer wieder auf die Sachebene zurückkommt: „Wenn Sie unsachlich werden wollen, können Sie das gerne tun. Ich ziehe es vor, auf der Sachebene zu bleiben…“

Ironisieren: Wenn jemand laut oder persönlich wird, kann gut mit einer ironischen Bemerkung gekontert werden: „Lautstärke macht Ihre Argumente nicht besser…“ Oder: „Haben Sie keine besseren Argumente als persönliche Angriffe…?“

Identifizieren: Oftmals ist es auch sinnvoll, die Angriffstechnik des Gegenübers für das Publikum sichtbar zu machen, um so sein fragwürdiges Handeln zum Thema zu machen: „Es geht Ihnen nicht um die Sache. Sie argumentieren nur unter der Gürtellinie. Da mache ich nicht mit, denn mir geht es um die Sache und unseren Zuhörern wohl auch…“

Isolieren: Bei äusserst heftigen Angriffen bietet sich die Möglichkeit, den Urheber der Angriffe mit seiner Rhetorik-Strategie blosszustellen und Druck auf ihn aufzubauen. Das kann auch bis zur Androhung (die im Notfall auch vollzogen werden muss) des Gesprächs gehen.

Hausaufgaben machen!

Die Erfahrung zeigt: Auch angriffige Gesprächssituationen können gemeistert werden, ohne dass man bereits ein Rhetorik-Weltmeister sein muss. Die Grundlage ist, erstens ein Grundlagentraining, ein Kennenlernen der verschiedenen Gesprächssituationen inkl. Training, zweitens der Mut, sich auch in eine angriffige Gesprächssituation zu bringen, sowie drittens die Bereitschaft, diese hinterher zu analysieren und aus den Erfahrungen zu lernen.

Auf Wunsch können Sie bei uns ein Einzeltraining zum Thema „Kampfrhetorik“ machen. Wenn Sie mehr über das Thema und unsere Schulungen erfahren wollen, dann kontaktieren Sie uns via Kontaktformular, Mail (info@goal.ch) oder Telefon (043 499 24 00)!

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