Neuer News-Kanal für die Schweiz!

Mit watson.ch ist Anfang des Jahres ein neuer Akteur auf den Schweizer Medienmarkt getreten. Ob sich die Seite durchsetzen kann, ist ungewiss, dass sie uns zeigt, wie die Zukunft aussieht, ist jetzt schon klar…

Ende Mai hat der Zürcher Werbeclub wieder einmal zur Besichtigung geladen. Diesmal durfte Hansi Voigt, geschäftsführender Chefredaktor und Gründer von watson.ch sein Unternehmen vorstellen.

Die ca. 40-köpfige Mannschaft von watson.ch kommt zum überwiegenden Teil von etablierten Playern auf dem Newsmarkt: 20Minuten und Tagesanzeiger mussten sich junge Talente abwerben lassen, die lieber mit Neuem experimentieren, als auf Altbewährtes zu setzen. Und was ist eigentlich so neu an der Newsplattform?

Über watson.ch:
Die Fixxpunkt AG von Hansi Voigt, dem ehemaligen Chefredaktor von 20Minuten Online, verlegt watson.ch. Die Onlinezeitung befindet sich noch in der Testphase und ist seit dem 22.1.2014 im Netz zu finden. Mit ca. 40 Angestellten und Kooperationen mit Spiegel Online und AZ Medien versuchen sie, die heiss umkämpfte junge Zielgruppe anzusprechen. Die Plattform hat inzwischen ca. 600’000 Unique Visits pro Monat.

Bilder für tätowierte Frauen

Auf den ersten Blick fällt auf, wie bildlastig watson daherkommt. Dieser Aufbau wirkt vor allem auf mobilen Endgeräten wie Smartphone oder Tablet gut, beeinträchtigt allerdings die Übersichtlichkeit. Wer sich Zeit nimmt, um die relevanten und irrelevanten Geschichten des Tages zu studieren, kann sich an dem schicken Layout erfreuen und gemütlich browsen. Die eigentliche Schwäche wird aber deutlich, wenn es darum geht, mit wenigen Blicken die neuesten und relevantesten Artikel zu erfassen. Hier sind die grossen Newsportale dem Newcomer noch meilenweit voraus.

Allerdings liegt das auch an der anvisierten Zielgruppe. Gründer Voigt hatte einmal in einem Interview verlauten lassen, watson.ch richte sich an „25-Jährige tätowierte Städterinnen“. Auch wenn man dort inzwischen von dieser arg spezifischen Zielgruppenbeschreibung abgekommen ist, bleibt die Stossrichtung klar. Das Portal konkurriert nicht mit der NZZ, sondern orientiert sich an US-Vorbildern und Aggregatoren wie Buzzfeed oder The Huffington Post. Deshalb wird watson.ch auch nie in Printform erscheinen. Die Zukunft bleibt digital.

Neue Plattform – neue Werbeform

Besonders spannend wurde der Besuch, als Voigt nach einem Rundgang durch die Redaktion auf mögliche Werbeformen zu sprechen kam. Neben den üblichen Banner-, Wallpaper- oder Fireplacewerbungen sucht man hier nämlich innovative Wege des Native Advertising.

Aus Wikipedia:
Native Advertising (zu Deutsch etwa „natürliche Werbung“ oder „Werbung in natürlichem Umfeld“) ist eine Form der Internetwerbung, bei der versucht wird, die Aufmerksamkeit der Internetnutzer durch ein Angebot von Inhalten zu erlangen. Die Inhalte ähneln stark dem Angebot, das den Internetnutzern bereits bekannt ist und wird so platziert, dass es primär nicht als Werbung erkannt wird. Die Absicht der Werbenden ist es, die bezahlte Werbung so zu gestalten, dass diese weniger aufdringlich wirkt und doch die Aufmerksamkeit der Nutzer auf sich zieht.

Bereits erfolgreich im Betrieb sind bezahlte Artikel. Diese werden in Absprache mit dem Werbekunden von den Redakteuren verfasst und online gestellt. Sie befassen sich stets mit einem Thema, das nahe beim Kunden liegt. Dieses wird aber in einer Art aufgearbeitet, die die Leser von watson.ch interessiert. Diese beschäftigen sich so freiwillig und gerne mit den Inhalten des Werbekunden und teilen sie im Idealfall noch in diversen sozialen Netzwerken. Da es sich dabei um einen sponsored post handelt, wird zwar in jedem Fall deklariert, aber der Inhalt wird nicht als eigentliche Werbung wahrgenommen. Durch diese Zusammenarbeit profitieren alle Seiten: Werbekunde, Plattform und Leser.

Noch in der Entwicklung befindet sich die sogenannte W-Bridge. Dabei handelt es sich um Werbung, die zielgenau auf Inhalten platziert wird: Beispielsweise bei einer Nachricht, dass ÖV-Preise steigen würden, kann direkt daneben die Anzeige eines Autohändlers angezeigt werden. Der Text dieser Werbung wird dabei von den Redakteuren verfasst und an die Aktualität angepasst.

Mut und Potenzial

Diese Werbeformen ermöglichen, besonders im Bereich der politischen Werbung, spannende Perspektiven. Bei einer Nachricht über den politischen Gegner, die eigene Position gleich danebenstellen zu können oder regelmässig längere Artikel über Initiativen platzieren zu können, ist eine grosse Chance für jede Kampagne. Allerdings braucht es dazu Mut und Entschlossenheit, denn den Redakteuren muss viel Vertrauen entgegengebracht werden. Wenn sie die Positionen der Werbekunden innerhalb von Minuten formulieren, müssen sie sehr genau wissen, was der Kunde will und was nicht.

Die erwähnten „25-jährigen tätowierten Städterinnen“ auf die eigene Seite zu ziehen, kann je nach politischem Inhalt eine grosse Herausforderung sein. Aber natürlich stecken in dieser Zielgruppe auch vollkommen neue Chancen.

Wir dürfen also gespannt sein, ob und wie watson.ch sich mit den neuen Ideen in Sachen Layout, Inhalt und Werbeformen durchsetzt. Das Potenzial hat das junge Unternehmen auf jeden Fall.

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