Wer hat das bessere Plakat?

In dieser Rubrik analysiert GOAL Wahl- und Abstimmungsplakate für den kommenden Abstimmungstermin. Unter die Lupe werden nationale, kantonale oder kommunale Plakate genommen. Auch hier können Sie aktiv werden und Plakate, die Ihnen aufgefallen sind, an unsere Newsletter-Redaktion zur Analyse schicken (bitte mit Angaben zu Fundstelle (Ort) und Abstimmungsdatum). In dieser Ausgabe liegt der Fokus auf dem 22.9.2013 (leider liegen uns nicht alle Plakate für diesen Abstimmungssonntag vor).

 

Nationale Abstimmung

Plakativ_NR_LiberalisierungSujet: „Bratwurst“
Fundort: Deutschschweiz
Abstimmung: Ja zum Arbeitsgesetz
Abstimmungsdatum: 22.9.13
Verantwortlich: GLP

Erfassbarkeit: Das Plakat besteht nur aus drei Bestandteilen: 1. Kurze Botschaft, 2. Visualisierung, 3. Abstimmungsparole und ist daher schnell erfassbar und verständlich.

Plakativität: Das Plakat ist aufgrund seiner wenigen Bestandteile sowie der zeichnerischen Darstellung von Arm und Bratwurst sehr plakativ. Zudem ist die Bratwurst in der Schweiz ein bekanntes Objekt.

Botschaft: „Bratwürste legalisieren“ ist eine verblüffende Botschaft, die vor allem eher jüngere Wählerinnen und Wähler – diese sind auch ein starkes Publikum der Tankstellenshops und haben damit hohes Betroffenenpotential – sowie alt 68ziger anspricht, da man sich gewohnt ist  verbotene Sachen zu legalisieren.
Heikler ist das Wort „legalisieren“, da es als Fremdwort nicht allen Betrachtern verständlich ist und die Anspielung auf die Legalisierung von verbotenen Substanzen Denkleistung und Wissen benötigt. Trotzdem erzeugt die Botschaft eine klare „Ja“-Reaktion.

Handlungsaufforderung: Das gewollte „Ja“ ist klar und deutlich erkennbar und prominent platziert. Kein Auge verlässt dieses Plakat, ohne das Ja ans Gehirn weitergemeldet zu haben.

Kongruenz: „Legalisieren“ ist zumeist eine Forderung aus linken Kreisen. Da passt die kämpferische „Sozialisten-Faust“, die diesmal keine rote Nelke oder Rose, sondern eine Bratwurst hält. Hier liegt vielleicht auch die Schwäche des Plakates. Für politisch interessierte Betrachter sind die Assoziationen völlig klar und daher amüsant. Politisch weniger bewanderte Betrachter – und dies sind die meisten Wählerinnen und Wähler – verschliesst sich dieser Zusammenhang jedoch.
Stimmig ist der Zusammenhang von Botschaft und Handlungsaufforderung. Im Grunde genügen hier die beiden Worte „Bratwürste“ – und „Ja“, zumal in der spätsommerlichen Grillzeit wohl kaum jemand eine gute Bratwurst verschmäht.

Impact: Das Plakat hat einen guten Wirkungsgrad, da es plakativ, verblüffend sowie klar und einfach aufgebaut ist.

 

Nationale Abstimmung

Plakativ_NR_Unia_ArbeitsgesetzSujet: 24h Uhr
Fundort: Deutschschweiz
Abstimmung: Ja zum Arbeitsgesetz
Abstimmungsdatum: 22.9.13
Verantwortlich: Unia

Erfassbarkeit: „NEIN UNIA“ – Dies meldet das Auge dem Betrachter weiter! Wohl kaum die angestrebte Botschaft. Warum diese Wirkung? Die gewünschte „NEIN“-Parole ist gut sichtbar im Kopf des Inserates platziert. Dann spielte die Eitelkeit den Urhebern einen Streich: Rechts unten, eine der wichtigsten Plätze auf einem Werbemittel, wird gross der Name der Gewerkschaft aufgeführt. Doch weiss der Betrachter dann besser Bescheid, ob er für oder gegen die Vorlage stimmen soll? Wohl kaum. Im Gegenteil: Bürgerlich gesinnte Stimmbürgerinnen und Stimmbürger, die eventuell noch mit einem Nein geliebäugelt haben, lassen sich vielleicht sogar vom Gewerkschaftsbrand abschrecken.

Plakativität: Blickfang ist die Abstimmungsparole im Kopf des Plakates – diese ist auch die wichtigste Botschaft. Geschwächt wird die Wirkung durch den roten Balken, indem das Nein überflüssigerweise wiederholt wird. Mit dem zusätzlichen graphischen Element der Uhr mit vielen Menschen-Zeigern sowie der Angabe des Abstimmungsdatums wirkt das Plakat schnell überladen. 4 bzw. 5 Elemente sind für das Auge zu viel!

Botschaft: Ein Plus bei der Botschaft. Klar und deutlich ist die Aussage „Nein zum 24-Stunden-Arbeitstag“ erkennbar. Die Botschaft suggeriert das gewünschte Nein.

Handlungsaufforderung: Das Plakat kommuniziert drei Handlungsaufforderungen: Zum 1. ein deutliches „NEIN“ im Kopf, dann 2. kleiner im roten Balken, sowie 3. rechts unten „UNIA“. Letztere Handlungsaufforderung hilft wenig für einen Abstimmungsentscheid, ausser, wenn es den Urhebern eigentlich gar nicht um die Abstimmung, sondern vielmehr um eine Profilierung des Gewerkschaftsnamens geht – was angesichts der knappen Umfrageergebnisse tragisch wäre…

Kongruenz: Botschaft, Visualisierung sowie Handlungsaufforderung stimmen überein.

Impact: Das Plakat kommt im Look und Feel als Gewerkschaftsprodukt daher und dient damit auf jeden Fall der Eigenprofilierung. Für die Abstimmung ist der Impact jedoch gering. Eleganter wäre die Gestaltung mit der Botschaft „24-Stunden-Arbeitstag?“ – gross und zentral platziert – sowie der Handlungsaufforderung „Nein zum schlechten Arbeitsgesetz“.

 

Kantonale Abstimmung

Plakativ_Kt_ZH_Auslaenderstimmrecht4Sujet: „Armbrust“
Fundort: Kanton Zürich
Abstimmung: Volksinitiative «für mehr Demokratie» (fakultatives Stimm- und Wahlrecht für Ausländerinnen und Ausländer auf Gemeindeebene)
Verantwortlich: SecondosPlus
Abstimmungsdatum: 22.9.13

Erfassbarkeit: Das Plakat ist schwer zu erfassen, da es filigran gestaltet ist und keinerlei optische Schwerpunkte setzt.

Plakativität: Aufgrund der feingliedrigen Darstellung sowie der fehlenden Konturen innerhalb der verfremdeten Armbrust ist das Plakat nicht plakativ, sondern erinnert eher an einen Scherenschnitt.

Botschaft: Die Botschaft „Schweizer Qualität (mit)bestimmt“ besteht zwar aus idealen drei Worte allerdings erschliesst sich der Sinn der Botschaft nicht wirklich: „Schweizer Qualität bestimmt“ suggeriert die Vorgabe von Schweizer Qualitätsnormen. Die Ergänzung „mitbestimmt“ legt nahe, dass es um Mitbestimmung geht, was im Hinblick auf die Abstimmungsvorlage schon zutreffender ist, aber nicht den Kern der Vorlage trifft. Zudem ist die Schreibweise in Grossbuchstaben schwer leserlich.

Handlungsaufforderung: Das „Ja“ ist etwas gar schüchtern in der Fusszeile versteckt und zu klein, um eine Handlung zu provozieren. Das in der Rosette platzierte „Ja!“ ist schon prägnanter, aber leider aufgrund seiner verspielten Darstellung nur schwer wahrnehm- und lesbar.

Kongruenz: Die Symbolisierung von „Schweizer Qualität“ durch die Armbrust ist stichhaltig, ebenso die einzelnen Verfremdungen wie Bau, Gastronomie oder Gesundheit. Zusammen mit der Botschaft entsteht aber der Eindruck, die Urheber wollen Schweizer Produktionsstandards mitbestimmen. Erst der relativ kleine geschriebene Payoff „Am 23. September Ja für mehr Demokratie“ gibt einen Hinweis darauf, dass es um Wahlen und Abstimmungen geht. Doch wie kann ich mit Spaten, Schwingbesen und Fieberthermometer mehr Demokratie bewirken?
Der wahrscheinlich angestrebte Gedankengang, dass Ausländer im Bauwesen, in der Gastronomie, im Gesundheitswesen für Schweizer Qualität sorgen und deshalb auch ein Wahl- und Abstimmungsrecht erhalten sollten kommt so nicht zum Ausdruck.

Impact: Obwohl sich die Verantwortlichen viele Gedanken gemacht haben, entfalten die Plakate keine Wirkung.

 

Gemeinde-Abstimmung

Plakativ_GR_Duebendorf_Batterie3Sujet: „Batterie“
Fundort: Dübendorf/ZH
Abstimmung: Ja zur Initiative „Voller Einsatz für Dübendorf“
Verantwortlich: SVP Dübendorf
Abstimmungsdatum: 22.9.13

Erfassbarkeit: 21, 22, 23! Etwas erkannt? Durchschnittlich drei Sekunden lassen unsere Augen und unsere Wahrnehmung einem Plakat, um etwas im Betrachter zu bewirken. Auch nach weiteren Sekunden ist das Plakat kaum zu erfassen. Der Grund? Sechs Grafik- und Textteile tummeln sich auf dem Plakat. Eine Überforderung für das Auge. Zudem fehlt eine Gewichtung. Das Auge weiss nicht wohin als erstes schauen.

Plakativität: Durch die Vielzahl von typographischen und textlichen Elementen ist das Plakat wenig plakativ, sondern eher irritierend.

Botschaft: Problem des Plakates sind seine drei Botschaften. Sie erzeugen zwar alle drei eine „Ja“-Reaktion, können aber doch keinen Akzent setzen, da unklar ist, um was es eigentlich geht: Vollen Einsatz für Dübendorf? Keine Doppelmandate oder für einen starken Stadtrat?

Handlungsaufforderung: Ziel des Plakates soll es sein, den Betrachter zu einem „Ja“ aufzufordern. Zwar ist das „Ja“ dreimal auf dem Plakat erwähnt, trotzdem entfaltet es keine Wirkung, da es weder am stärksten Platz noch dominant platziert ist.

Kongruenz: Botschaft und Parole stimmen überein. Die Botschaft setzt sich aus drei Teilen zusammen: 1. Voller Einsatz für Dübendorf , 2. Keine Doppelmandate, 3. Ja für einen starken Stadtrat. Drei Botschaften zu denen man spontan „Ja“ sagt. Botschaft und Visualisierung stimmen jedoch nicht überein. Zwei hintereinander liegende Batterien symbolisieren eigentlich mehr oder doppelte Power. Eine der beiden Batterien ist aber durchgestrichen. Die Initiativen des Plakates wollen also keine doppelte Power! Schwer verständlich.

Impact: Aufgrund der allzu vielen Elemente sowie der fehlenden Übereinstimmung von Botschaft und Visualisierung entfaltet das Plakat keine Wirkung.

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